14.05.2018

4 Tipps für Werbetexte: Von der Idee zum fertigen Text

 

Sie haben ein Produkt, das wirklich prima ist oder bieten eine Leistung, die einfach jeder kennen sollte?
Davon wollen Sie Ihre Kunden überzeugen und für Ihre Homepage richtig gute Texte schreiben?
 

Mit diesen 4 Tipps gelingen Ihnen einwandfreie Werbetexte, die Ihre Kunden garantiert ansprechen.

Autorin: Sonja Linde

 



1. Erst die Skizze, dann der Text

Kennen Sie das? Die neue Homepage steht, das Design ist super, und dann heißt es: „Nun schreib noch mal schnell einen Text dazu!“ Und dann schreiben Sie. Was Ihnen so gerade einfällt. Stopp! Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Gedanken zu sammeln und zu sortieren. Wenn Sie jetzt einfach drauflosschreiben, vergeuden Sie letztendlich nur Zeit. Ein wirklich überzeugender Text benötigt Vorbereitung und Struktur! Gehen Sie wie folgt vor:

 

1.1 Sammeln

Nutzen Sie Brainstorming-Techniken: Schreiben Sie in die Mitte eines großen Papierbogens Ihr Thema – also Ihre Marke, Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung. Werten Sie nicht und strukturieren Sie (noch) nicht. Schreiben Sie einfach nur und lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf.

Eine neue Assoziation schreiben Sie in ein eigenes Feld und verbinden dieses mit dem Begriff in der Mitte. Nun schreiben Sie alles, was Ihnen zu diesem einen Gedanken einfällt, in jeweils ein neues Feld und verbinden diese zu einer Kette. Haben Sie eine neue Idee zu Ihrem Ursprungsbegriff, beginnen Sie eine neue Kette.
Nutzen Sie auch andere Brainstorming-Methoden!

 

1.2 Sortieren

Machen Sie zwischen dem ersten und dem zweiten Schritt unbedingt eine Pause, in der Sie sich einer ganz anderen Aufgabe widmen. Wenn möglich, schlafen Sie noch eine Nacht darüber. Nehmen Sie sich Ihren Bogen vor und betrachten Sie Ihre Assoziationen kritisch. Wenn Sie kreativ waren und viele verschiedene Ketten gebildet haben, kommt jetzt die schwierigste Aufgabe: Beschränken Sie sich und sortieren Sie rigoros aus. Überlegen Sie:
 

  • Welche Argumentation ist am vielversprechendsten?
  • Mit welchen Stichworten können Sie am besten weiterarbeiten?
  • Welche Gedanken-Kette passt am besten zu Ihrer Zielgruppe?
  • Wo lassen sich Querverbindungen zwischen einzelnen Ketten bilden?
  • Was gehört zusammen, was passt nicht?
     

Beantworten Sie diese Fragen und streichen Sie, was ablenkt:
Nehmen Sie nicht alles, was Ihnen eingefallen ist, für die weitere Bearbeitung auf – Ihr Text wird sonst zu unübersichtlich und inhaltlich sprunghaft. Holen Sie sich, wenn möglich, eine zweite Meinung zu den oben genannten Fragen ein.

 

1.3 Strukturieren und Skizzieren

Fassen Sie Ihre ungeordneten Gedankenschnipsel unter folgenden Fragestellungen zusammen:
Was ist die Haupterzähllinie?
Welche Aspekte sollten außerdem unbedingt erwähnt werden?
Was ist Ihr USP (Unique Selling Point)?
Machen Sie eine Skizze bzw. eine Mindmap: Wie ist Ihr Text aufgebaut?


Denken Sie dabei an einen klassischen Textaufbau, z. B. nach der AIDA-Methode oder auch, warum nicht,
Einleitung – Beschreibung – Beispiele – Fazit.

Machen Sie ein weiteres Brainstorming und suchen Sie Assoziationen zu Ihren Schlüsselbegriffen.
Tipp: Ordnen Sie Ihren Text in Bausteine: Zeichnen Sie die einzelnen Bausteine auf und füllen Sie diese mit Ihren Stichworten. So haben Sie z. B. einen Baustein für den Teaser, einen für die Texteinleitung und einen für jedes Beispiel.

 

1.4 Schreiben

Nun können Sie mit dem Schreiben beginnen. Auch hier ist es empfehlenswert, systematisch vorzugehen und einen Baustein, also Sinn-Abschnitt, nach dem anderen mit Worten zu füllen. Verwenden Sie dabei Ihre Stichworte! Seien Sie aber auch nicht zu streng mit sich – Kommen Sie an einer Stelle nicht weiter oder fehlen Ihnen die richtigen Worte, setzen Sie Platzhalter wie XXX, machen Sie eine kurze Pause oder nehmen Sie sich einen anderen Abschnitt vor. Zu oft sollten Sie beim Schreiben allerdings nicht zwischen einzelnen Abschnitten umherspringen.

Und zum Schluss: Lassen Sie Ihren Text ruhen. Mindestens für 24 Stunden.
Dann lesen Sie Ihren Text kritisch. Sind alle wichtigen Aspekte aufgegriffen? Hat der Text Struktur? Ist die Argumentation schlüssig? Fehlen wichtige Keywords?
 

 

2. Kennen. Sie. Ihre. Zielgruppe.

Das ist doch wohl selbstverständlich, meinen Sie? Ohne Frage kennen Sie Ihre Zielgruppe, Sie haben ja eine Idee oder ein Produkt entwickelt und dafür sicherlich auch eine Zielgruppenanalyse durchgeführt. Aber schreiben Sie auch für Ihre Zielgruppe? Sind Ihre Texte auf die sprachliche Lebenswirklichkeit Ihrer Kundinnen und Kunden ausgerichtet?


Wenn Sie z. B. vor allem eine ältere Kundschaft ansprechen, könnten Sie diese mit besonders lockeren Marketing-Texten eher verschrecken. Andererseits werden 25-jährige, großstädtische Lifestyle-Experten wohl einen Werbetext, der wie eine Bachelor-These verfasst ist, kaum über die ersten drei Sätze hinaus beachten. Seien Sie aus diesem Grund auch vorsichtig mit eingängigen Ratschlägen, die im Internet zuhauf zu finden sind:


Viele und unterschiedliche Adjektive gestalten Ihren Text oft farbiger und lebendiger – einige Gruppen empfinden diese aber unter Umständen als aufdringlich und gekünstelt und wenden sich dann ab.
Ebenso ist es sicherlich grundsätzlich eine gute Idee, Schachtelsätze ebenso wie zu lange Konstruktionen zu vermeiden, jedoch können lange (aber klare!) Sätze in bestimmten Kreisen auch als Qualitätsmerkmal gelten.
Deswegen: Haben Sie beim Schreiben immer Ihre Zielgruppe im Hinterkopf. Sie können gerne auch noch einen Schritt weitergehen:

Wenn Sie bereits Ihre Zielgruppe definiert haben, erstellen Sie ein konkretes, detailliertes Porträt: Wer ist Ihr prototypischer Kunde? Hängen Sie sich das Porträt über den Schreibtisch und schreiben Sie direkt für Ihren Kunden. Auch wenn Sie unter einen anfänglichen Schreibblockade leiden, kann es sehr hilfreich sein, sich direkt an eine bestimmte Person zu wenden. Denken Sie immer daran: Überarbeiten können Sie Ihren Text immer noch! Hauptsache ist zunächst, dass Sie überhaupt etwas schreiben.
 

 

3. Ganz persönlich: Werden Sie aktiv!

Verstecken Sie sich nicht hinter unpersönlichen, passiven Formulierungen! Das wirkt schnell hölzern, abweisend und manchmal sogar unfreiwillig komisch.
Sprechen Sie Ihre Kundinnen und Kunden direkt an und schreiben Sie in einem aktiven Stil. Konkret bedeutet das:
 

  • Sprechen Sie Ihre Leser direkt an!
  • Streichen Sie alle Passivkonstruktionen und wandeln Sie diese um!
  • Meiden Sie den Nominalstil und schreiben Sie im Verbalstil!
  • Verstecken Sie sich nicht hinter nichtssagenden Worthülsen, Floskeln und Allgemeinplätzen!
  • Streichen Sie Füllwörter!
  • Meiden Sie verschachtelte Satzkonstruktionen!

 

4. Super Inhalt + schlechte Form = null Wirkung

Sie haben sich hingesetzt, Ihre Gedanken geordnet, beim Schreiben an Ihre Zielgruppe gedacht, persönlich und aktiv formuliert und trotzdem klingt Ihr Text nicht rund? Oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die einen wirklich guten Text von einem mittelmäßigen unterscheiden. Das können steif wirkende Formulierungen sein, umständliche Verbalkonstruktionen, ein schematischer Satzbau, langweilige oder gar keine Adjektive, zu viele Füllwörter oder inhaltlich unzutreffende Begriffe.


Da hilft alles nicht: Sie müssen mit dem Rotstift ran und den Text gründlich nach verschwurbelten Ausdrücken, Schachtelsätzen, inhaltsleeren Phrasen usw. untersuchen. Bedenken Sie: Ein langweiliger, missverständlicher oder fehlerhafter Text richtet mehr Schaden an, als dass er Ihnen nutzt.


Bitten Sie um Hilfe! Fragen Sie Freunde, Bekannte und Kollegen: Oft hilft schon der erste Eindruck von Außenstehenden, Ungenauigkeiten aufzuspüren. Man selber weiß ja beim Schreiben immer, was gemeint ist – aber versteht Ihr Kollege auch alles oder hat dieser ganz andere Assoziationen als Sie? Suchen Sie Testleser, die nicht im Thema drin sind!


Und eines sollten Sie auf jeden Fall tun: Lassen Sie Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Ausdruck überprüfen! Nichts ist peinlicher, als wenn Ihre Webtexte und Werbematerialien fehlerhaft sind. Denn damit repräsentieren Sie Ihr Unternehmen! Die automatische Rechtschreibprüfung in Ihrem Textverarbeitungsprogramm ist nicht ausreichend, da sie sehr unzuverlässig ist. Sie erkennt z. B. nicht:

 

  • einfache Tippfehler wie die Verwechslung von mit und mir oder Zahlungsbedingung: In Bar vor Ort
  • den Unterschied zwischen dem Anrede- und dem Personalpronomen
  • grammatische Fehler wie fehlende oder fehlerhafte Endungen bei Substantiven
  • Fehler bei den Zeitformen der Verben
  • Kommafehler
  • sprachlich falsche oder missverständliche Ausdrücke
  • typografische Mängel
  • - …



Zusammenfassung

  1. Nehmen Sie sich Zeit und sammeln und strukturieren Sie Ihre Ideen, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen.
  2. Schreiben Sie für Ihre Zielgruppe.
  3. Schreiben Sie in einem persönlichen, aktiven und klaren Stil.
  4. Lassen Sie jeden Text Korrektur lesen.

 

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SONJA LINDE - Korrektorat | Lektorat | Text


Studium der historischen Linguistik und Skandinavistik (M. A.)

Langjährige wissenschaftliche Projektarbeit im Bereich der Geschichte der deutschen Grammatik

Verschiedene Lehrtätigkeiten an Universität, Schule und privaten Bildungsträgern

Betreuung und Lektorat von Arbeiten aus verschiedenen Fachgebieten

Professionelle Texterstellung, Akademie der deutschen Medien

Freies Lektorat I, Akademie der deutschen Medien

Freies Lektorat II, Akademie der deutschen Medien

Mitglied im VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren)

 

Web: www.lektorat-linde.de

 

 

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